60 Jahre Sender Bozen - Kritik angesagt
60 Jahre Sender Bozen: Bei aller Hochachtung vor den erbrachten Leistungen sollte dieses Jubiläum auch Anlass sein, kritisch Bilanz zu ziehen, statt sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Nicht alles ist Gold,
was glänzt, und manche Fehlentwicklung ist anzumerken, die es zu korrigieren gilt.
Unter den Schwachpunkten muss an erster Stelle die politische Unausgewogenheit der Berichterstattung in Radio und Fernsehen angesprochen werden. Manche Themen und gesellschaftlichen Gruppen kommen zu kurz und werden – so der allgemeine Eindruck – bewusst ausgegrenzt. Es geht einfach nicht an, dass die Redaktionsleitung
gewisse politische Positionen und Exponenten bevorzugt und andere benachteiligt bzw. verschweigt. Eine öffentlich-rechtliche Anstalt darf unter keinen Umständen Partei ergreifen, sondern muss alle gesellschaftlich relevanten Gruppen in angemessener Weise „zu Wort und Bild kommen“ lassen. An diesem Punkt muss im Interesse der Demokratie eine klare Kehrtwendung erfolgen, wenn es sein muss, auch durch entsprechende Personalentscheidungen. Außerdem bedarf es auch einer strukturellen Reform, die u.a. die Schaffung eines unabhängigen Leitungsgremiums vorsieht, das die Richtlinien für die Arbeit des Senders erstellt und deren Einhaltung überwacht und für die Besetzung der Führungspositionen zuständig ist.
Leserbrief von Karl Berger, Bozen